Erste Linien stellen Verkauf ein – künftig nur noch digital
Der Postauto-Chauffeur verkauft dir bald kein Ticket mehr

Winterthurer Postauto-Kunden werden mit Flyern auf die Einstellung des Ticketverkaufs beim Fahrpersonal aufmerksam gemacht. Die Posttochter bestätigt, dass kontinuierlich auf digitales Bezahlen umgestellt wird – und das schweizweit.
Publiziert: 07.09.2024 um 00:01 Uhr
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Aktualisiert: 07.09.2024 um 10:51 Uhr

Kurz zusammengefasst

  • Aus für Ticketverkauf in Regionalbussen im Kanton Zürich per Fahrplanwechsel 2024/2025
  • Postauto testet Kartenzahlung in allen Fahrzeugen
  • Bis 2035 wird Strategie umgesetzt, die nur noch digitalen Ticketverkauf vorsieht
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
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Ulrich RotzingerWirtschaftschef

Es ist das Gesprächsthema auf der Postautoroute zwischen Winterthur und Elgg: Bald ist Schluss mit Ticketverkauf im Bus. «Aus betrieblichen Gründen» sei der Verkauf auf der Linie 680 bereits ab 9. September 2024 nicht mehr möglich, heisst es auf Info-Flyern. Darauf steht eine Gratisnummer, unter der Fahrgäste neu telefonisch ein Ticket erwerben könnten. Dazu ist jedoch eine Swiss-Pass-Karte nötig.

Die Linie 680 ist aber nicht die Einzige, auf der das Fahrpersonal keine Tickets mehr verkauft. Auf dem ganzen Gebiet des Zürcher Verkehrsverbunds (ZVV) wird der Ticketverkauf in den Regionalbussen spätestens per Fahrplanwechsel am 15. Dezember 2024 eingestellt. Die Nachfrage sei stark rückläufig, zudem seien die Verkaufsgeräte in den Bussen am Ende ihrer Lebensdauer angelangt, begründet der ZVV den Schritt. Der Verkehrsverbund nennt seinerseits die ZVV-App als künftigen Ticketverkaufskanal.

Wer ein Postauto nutzt, braucht ein gültiges Ticket.
Foto: Keystone
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Die Postauto AG folgt dem ZVV-Entscheid, künftig keine Tickets mehr in den Regionalbussen zu verkaufen. Doch wie sieht es in anderen Kantonen aus? Eine halbe Million Pendlerinnen, Schüler, Freizeitreisende und Touristen nutzen täglich das Postauto-Netz.

Gerade ältere Fahrgäste und fremdsprachige Personen beunruhigt dem Vernehmen nach, dass die Chauffeure künftig keine Tickets mehr verkaufen. Für diese Personen ist es auch kaum eine Alternative, via Barcode in den Postautos und Twint einen Fahrschein zu erwerben. Gemäss Angaben von Postauto kann der Fahrgast mit der Bezahlapp heute in 1900 von 2300 Postautos bezahlen, also überall ausser im ZVV-Gebiet und im Tessin.

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Postauto testet Kartenzahlung

«Ausser dem ZVV-Gebiet und dem Kanton Graubünden, wo der Kanton treibende Kraft hinter dem neuen Ticketsystem Venda ist, werden überall in den Postautos noch Tickets verkauft», sagt Postauto-Sprecherin Katharina Merkle zu Blick. Die Betonung liegt auf noch. Laut Postauto werden bis zum Sommer 2025 rund 180 der insgesamt 969 Schweizer Postautolinien den Ticketverkauf beim Fahrpersonal einstellen. Das entspricht einem Fünftel der gesamten Flotte.

Das Transportunternehmen der Post sieht vor, dass ab dem Jahr 2035 der Ticketverkauf vollständig digital sein soll. «Wir arbeiten nun an einer Strategie mit der zentralen Frage, wie wir die Kundinnen und Kunden erreichen, die auch künftig nicht von digitalen Verkaufskanälen – vor allem Ticket-Apps – Gebrauch machen», sagt Merkle.

Smartphone ist das Ticketgerät der Zukunft

Gegenwärtig laufe im Berner Oberland ein Test für die Bezahlung der Tickets mit Debit- und Kreditkarten, was heute in den Postautos noch nicht möglich ist. Die Postauto-Sprecherin kündigt an: «In Zukunft soll die Kartenzahlung in allen Postautos möglich sein.» Einen Zeitpunkt dafür konnte das Unternehmen nicht nennen. Was aber klar sei: «Das persönliche Smartphone dürfte zum Ticketgerät der Zukunft werden.»

Der Postauto-Plan, Mini-Automaten in Fahrzeugen als nationalen Standard zu etablieren – analog zum Venda-System in Regionalbussen in Graubünden – habe sich unterdessen zerschlagen. Die Installation der Mini-Automaten hat sich für Postauto nicht wirtschaftlich umsetzen lassen.

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